Wissenswertes über Depressionen

Die Depression ist eine psychische Erkrankung, die die Stimmung, das Denken, das Verhalten und die Körperfunktionen der Betroffenen tiefgreifend und langfristig verändert.

Nicht zu verwechseln ist sie mit vorübergehenden Phasen von Niedergeschlagenheit oder Antriebsschwäche, die fast jeder aus seinem Leben kennt. Oft folgen solche Phasen auf Ereignisse wie Trennungen, Verlust des Arbeitsplatzes oder Tod eines Angehörigen.

Der Körper braucht die Zeit, um sich von einschneidenden oder emotional belastenden Ereignissen zu erholen. Mit einer krank machenden Depression hat das nichts zu tun, solange die Phasen von gesunder Traurigkeit bald wieder vorüber sind und ihren Zweck erfüllt haben, nämlich dass der Betroffene wieder Mut und Kraft hat.

Trauer hat eine wichtige Funktion im Leben. Es gibt auch Erklärungsmodelle für Depressionen, die besagen, dass eine Depression gerade dann begünstigt wird, wenn ein persönlicher Verlust nicht durch Trauer verarbeitet werden kann.

Depressionen haben sehr unterschiedliche seelische und körperliche Auswirkungen und können sich in einer Vielzahl von Symptomen äußern.

Bei einer Depression kommt es phasenweise oder langfristig zum Verlust der Fähigkeit, sich an wichtigen Dingen des Alltags zu freuen bzw. daran teilzunehmen. „Es ist, als ob die Seele unwohl wäre“, mit diesen Worten beschreibt der Schriftsteller Erich Kästner die Situation. Sein Zitat ist auch der Titel einer sehr informativen Broschüre des Bildungs- und Forschungsministeriums. Die Broschüre kann unter www.bmbf.de > Service > Publikationen > Biowissenschaften und Gesundheit heruntergeladen werden.

Das Hauptsymptom ist die Niedergedrücktheit. Das Wort „Depression“ kommt vom lateinischen „deprimere“: herunterdrücken, niederdrücken. Die gedrückte Stimmung und Hoffnungslosigkeit, das Fehlen jeder Freude, jedes Genießens, jeder Zufriedenheit, aber auch das Fehlen von Zorn und Wut kennzeichnen eine Depression

Hier eine Auswahl der häufigsten weiteren Symptome:

  • Schwäche, Energieverlust, Erschöpfung (körperlich und geistig), kein Antrieb, Unentschlossenheit, Unfähigkeit, etwas zu entscheiden und sich zu etwas zu motivieren. Selbst alltägliche Aktivitäten wie putzen, kochen, essen, sich waschen oder jemanden anrufen sind dem Patienten nicht möglich.
  • wenig Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl, Schuldgefühle, Minderwertigkeitsgefühle, Unsicherheit
  • Angst, Hilflosigkeit, auch Panikattacken
  • geminderte Konzentrationsfähigkeit
  • Anspannung, Unruhe und Rastlosigkeit
  • Bewegungslosigkeit und Ausdruckslähmung
  • Schlafstörungen
  • körperliche Schmerzen, am häufigsten sind Kopfschmerzen, Druck auf der Brust
  • Verlust der Libido
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit, Gewichtsverlust, Verstopfung

„Die“ Depression gibt es nicht, vielmehr eine große Bandbreite: von leichten Formen mit Angst und verschiedensten körperlichen Beschwerden bis hin zu schweren Verlaufsformen, die mit Wahnvorstellungen und Suizidgedanken verbunden sein können.

Etwa ein Drittel der Patienten erlebt nur eine einmalige depressive Episode, bei der Mehrzahl der Betroffenen wiederholt sich das Auftreten. Bekannt ist die saisonal abhängige Depression (SAD), die sogenannte „Winterdepression“, die jedoch innerhalb der Depressionen nur eine kleine Gruppe darstellt. Eine Sonderform ist die „Wochenbettdepression“, eine Form, die Frauen nach der Entbindung betreffen kann.

Die Fachwelt spricht bei Depressionen von „affektiven Störungen“, ein Begriff, der durch die ICD-10 geprägt wurde. Das ist ein internationales Klassifizierungssystem aller Krankheiten. Im Wesentlichen unterscheidet die ICD-10 nach einmaligen „Episoden“ und wiederkehrenden („rezidivierenden“) Störungen, die dann nach ihrem Schweregrad unterteilt werden. Als Dysthymie wird eine sehr schwache, aber anhaltende affektive Störung bezeichnet, die nicht auf einen bestimmten Auslöser zurückzuführen ist.

In Deutschland leiden 5 bis 6 Millionen Menschen – bezogen auf einen Zeitraum von 12 Monaten – an behandlungsbedürftigen Depressionen.

In den westlichen Industrieländern sind Depressionen nach den Herz-Kreislauf-Krankheiten das zweithäufigste Leiden. Jeder Siebte durchlebt wenigstens einmal im Leben eine depressive Episode. Dabei gibt es kaum kulturelle und regionale Unterschiede.

Die Ursachen depressiver Erkrankungen sind noch nicht eindeutig geklärt. Es gibt die verschiedensten Erklärungsmodelle.

  • Genetik, Veranlagung Die Wahrscheinlichkeit, an Depressionen zu erkranken, hat eine erbliche Komponente.
  • Neurobiologie Depressive Menschen haben in der Regel einen Mangel an Serotonin und Noradrenalin. Das sind chemische Botenstoffe (Neurotransmitter), die elektrochemische Nervensignale von einer Nervenzelle an die andere übermitteln. Auf diese Weise werden Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen gesteuert.
  • Seelische Belastungen Besteht durch biologische oder lang andauernde Einflüsse (Familie und Erziehung) eine gewisse Anfälligkeit, können akute Ereignisse (Partnerverlust, Tod eines nahen Angehörigen oder Stress) oder lang andauernde Belastungen durch Krankheit, Beruf oder Beziehungskonflikte Depressionen auslösen.
  • Lichtmangel Als Ursache der Winterdepression wird auch Lichtmangel.